Unmittelbar bei der Begleitung des Oberbodenabtrags in einem Vorort von Brandenburg/Havel durch einen Bagger kam völlig unerwartet im westlichen Teil der Grabungsfläche eine Schädelkalotte mit bereits beschädigtem Hinterhaupt zum Vorschein. Daraufhin wurde der maschinelle Bodenabtrag in diesem Bereich sofort unterbrochen und wenig später in horizontalen Schichten von Hand fortgesetzt, um Beschädigungen auszuschließen und möglichst alle Funde in diesem Bereich bergen zu können.
Entgegen erster Vermutungen handelte es sich nicht um eine irreguläre Bestattung aus Mittelalter oder Neuzeit, sondern die sukzessive Freilegung zeigte, dass der Tote auf der linken Seite liegend mit angewinkelten Armen und Beinen bestattet wurde, eine Hockerbestattung in N-S-Orientierung. Der Schädel lag in aufrechter Position, was auf eine Niederlegung am Rand der Grabgrube hindeuten könnte. Von dieser Grabgrube waren alledings keine Spuren mehr erhalten, so dass die Ausdehnung des Grabes nicht mehr nachvollziehbar war. Lediglich im Bereich des Brustkorbes und der Hüfte blieb ein leichter und unregelmäßiger Leichenschatten erhalten, also die stärker organischen Überreste des Körpers, die sich durch eine etwas dunklere Färbung vom umgebenden Substrat abhoben.

Die wissenschaftliche Analyse durch Fr. Dr. Jungklaus ergab, dass es sich um einen Mann mit einem geschätzten Lebensalter von 45 – 60 Jahren, auffallend gesunden Zähnen und einem gut verheilten Schienbeinbruch handelte. Besonders der gute Zahnzustand deutete auf ein hohes Alter der Bestattung hin: für die Jungsteinzeit ist eine geringe Kariesbelastung typisch.

Beigaben können dieser Bestattung nur wenige zugeordnet werden. Darunter eine Klinge mit beidseitiger Retusche, eine Pfeilspitze mit leicht ausziehender Basis sowie eine Eberzahnlamelle, die im Bereich des Brustkorbes gefunden wurde und wohl als Schmuck zu deuten ist. Auch diese Beigabe ist ein Indiz für eine Niederlegung im ausgehenden Neolithikum des 3. Jtsd. v. Chr.

Eine anschließende naturwissenschaftliche Datierung des Kohlenstoff-Isotopgehalts in einer Knochenprobe ergab ein Alter des Skeletts zwischen 2450 und 2150 Jahren v. Chr.

Archäologisch ist die Bestattung somit den Kulturkomplexen des ausgehenden Neolithikums, wie Schnurkeramik- oder Glockenbecherkultur zuzuordnen. Aufgrund fehlender Beigaben muss die Einordnung vage bleiben.

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