Die bauvorbereitende Untersuchung in Eberswalde erbrachte eine große Menge von renaissancezeitlichen, grün glasierten Ofenkacheln mit christlichen und weltlichen Motiven. Besonders gut erhalten war eine Nischenkachel aus Irdenware, die einen lockigen Bischof im blattartig geschmückten Ornat mit einem flatternden, leeren Spruchband in der rechten Hand zeigt.
Im oberen Bereich ist in gotischer Minuskel, unterbrochen von der Mitra, zu lesen: k o l (Mitra) a u
Ein Vergleich mit Kacheln des sog. „Halberstädter“ oder „Goslarer“ Typs zeigt eine Herkunft des Gestaltungsmotivs aus dem östlichen Mittelgebirgsraum, auch wenn bislang keine exakte Parallele bekannt ist. Nicht nur die Kacheln selbst, auch die zur Abformung des Motivs verwendeten Vorlagen (Matrizen) können über weite Strecken transportiert worden sein.
Die Fundumstände in einem Brunnen, der nicht vor 1467 errichtet wurde, passen zur kunsthistorischen Einordnung in die Zeit um 1500 bis zur ersten Hälfte des 16. Jh.

Insgesamt konnten bei der Hauptuntersuchung in Eberswalde über 100 einzelne
Kachelfragmente geborgen werden, deren zeitliches Spektrum von etwa 1500 bis in das 18. Jh. reicht. Hinweise auf eine Produktion der Kacheln vor Ort wurden nicht festgestellt. Offenbar scheint aber zumindest ein Teil der Eberswalder Bürgerschaft vermögend genug gewesen zu sein, um sich einen solchen repräsentativen Kachelofen zu leisten und mit Motiven von bekannten mitteleuropäischen Werkstätten ausstatten zu lassen.

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